Am Ende wird es still im Theaterraum. Auf der Bühne endet „Die Welle“, im Publikum sitzen Schüler:innen der Jahrgangsstufen 8 und 11. Einige wischen sich Tränen aus dem Gesicht. Es ist einer dieser Momente, in denen spürbar wird, worum es an diesem Tag geht. Zur gleichen Zeit steht eine Schülerin vor den Bannern der Ausstellung „Keine Zeit für Tränen“. Sie schaut auf die Fotos der Kindertransporte, zögert kurz und sagt dann: „Die Kinder auf den Bildern sind so klein. Die mit den beiden Zöpfen und dem Schild um den Hals sieht aus wie meine kleine Schwester. Warum haben die Erwachsenen nicht damit aufgehört, das ist so unfair.“ Danach bricht ihre Stimme.

Solche Situationen haben unseren Projekttag „Erinnern. Verstehen. Handeln.“ am 20. März geprägt. Zum ersten Mal haben alle Jahrgänge von 5 bis 12 parallel an diesem Tag gearbeitet – mit ganz unterschiedlichen Zugängen, aber mit einer gemeinsamen Leitfrage: Wer waren und wer sind diese Menschen – und wie erging es ihnen?

Diese Frage hat sich durch den gesamten Tag gezogen. In den jüngeren Jahrgängen wurde sie zunächst über Geschichten und Filme greifbar. Szenen aus „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“ wurden gemeinsam erschlossen, Fragen entstanden oft ganz unmittelbar aus dem Gesehenen heraus. Gleichzeitig wurde Geschichte vor Ort sichtbar: Beim Reinigen von Stolpersteinen in Waldbröl standen Namen nicht mehr nur auf Papier, sondern im eigenen Alltag. In anderen Gruppen verlagerte sich der Blick in die Gegenwart, etwa im Workshop „Hidden Codes“, in dem es darum ging, Mechanismen von Radikalisierung im Netz zu erkennen und einzuordnen.

Ein besonderer Schwerpunkt lag auf der Ausstellung „Keine Zeit für Tränen“. Viele Schüler:innen haben sich dort intensiv mit einzelnen Lebensgeschichten beschäftigt, einige haben die Ausstellung sogar selbst vorbereitet und Führungen übernommen. Auch in den höheren Jahrgängen blieb dieser persönliche Zugang prägend. Es wurde recherchiert, geschrieben, gestaltet – zu Stolpersteinen, zu einzelnen Biografien, zu der Frage, warum und wie Erinnerung heute stattfinden muss. Ergebnisse wurden sichtbar gemacht, etwa über QR-Codes oder in eigenen Texten.

Andere Lerngruppen suchten gezielt den Kontakt zu außerschulischen Lernorten oder Menschen mit eigenen Erfahrungen. Der Besuch im EL-DE-Haus in Köln brachte die Geschichte der Verfolgung an einen konkreten Ort. Workshops und Gespräche in der Oberstufe eröffneten Perspektiven auf Kriegserfahrungen, Friedensarbeit und gesellschaftliches Engagement. Gleichzeitig entstanden kreative Beiträge, etwa in Form von Poetry-Slam-Texten. Und immer wieder gab es diese Momente, in denen sich alles verdichtet hat – im Theater, im Gespräch, vor einem Bild oder einem Namen.

Was den Tag für uns besonders gemacht hat: Erinnerung blieb nicht abstrakt. Sie wurde konkret – im eigenen Ort, im eigenen Denken, im eigenen Handeln. Als Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage verstehen wir diese Arbeit nicht als einzelne Aktion. Sie gehört zu unserem Selbstverständnis. Die Courage-AG bringt regelmäßig Projekte auf den Weg, die Schülervertretung engagiert sich unter anderem bei der Pflege von Stolpersteinen, und auch im Schulalltag setzen wir immer wieder sichtbare Zeichen. Der Projekttag ist ein weiterer Schritt auf diesem Weg.

Wir wollen Erinnerungskultur, Demokratiebildung und Prävention dauerhaft in unserer Schule verankern. Der Projekttag wird deshalb kein einmaliges Format bleiben. Am Ende zeigt sich, worauf es ankommt: dass aus Erinnerung Haltung wird – und aus Haltung Handeln. Im Kleinen, im Alltag, und überall dort, wo Menschen Verantwortung übernehmen.