Literatur2016-11-01T22:15:23+01:00

Literatur – was ist das überhaupt für ein Fach?

Formales:

Literatur gehört zum künstlerisch-musischen Bereich und kann in der Jahrgangsstufe 12 anstelle von Kunst oder Musik für die Dauer des gesamten Schuljahres gewählt werden.
Die Gesamtschule Waldbröl ist bislang eine der ganz wenigen Schulen in NRW, die sogar zwei zertifizierte Lehrkräfte für das Fach beschäftigt.

Inhaltliches:

Das Fach Literatur umfasst drei verschiedene Bereiche: Theater, Film und Schreiben.
Auch wenn alle drei Bereiche ineinander übergehen, wird der Schwerpunkt jeweils auf ein bis zwei der Bereiche gesetzt. Dies ist an der Gesamtschule Waldbröl bisher der Bereich Theater gewesen.
Aus dem Lehrplan:
Schwerpunkt der fachlichen Arbeit liegt nicht in der analytischen Auseinandersetzung mit Texten, sondern im produktiv-ästhetischen Umgang mit ihnen. […] Der Kreativität kommt im Fach Literatur eine besondere Bedeutung zu. Dabei wird Kreativität verstanden als Fähigkeit, neues Denken, Empfinden und Handeln in Gang zu setzen und zu entfalten. In Literaturkursen geht es bei der Entwicklung literarischer Äußerungsformen der Wortsprache, der Körpersprache und der Bildsprache vor allem um die Erschließung von Mitteilungsmöglichkeiten, die die Schülerinnen und Schüler bislang wenig genutzt haben.
Das verpflichtende Ziel ist eine große Abschlussproduktion und -Präsentation.

Kann ich den Literaturkurs anwählen, auch wenn ich keine Erfahrungen im Theaterspiel habe?

Das Fach Literatur ist eines der ganz wenigen Fächer, das man in der Regel ohne jegliche Vorkenntnisse belegt. Das ist auch kein Problem.
Denn zunächst erhalten alle SchülerInnen einen schauspielerischen Grundkurs, in dem sie die Grundbegriffe und das Handwerkszeug des Theaterspielens (Bühnenpräsenz, Körperhaltung, Stimme, Mimik etc.) kennen lernen und erproben.

Welche Tätigkeitsfelder gibt es im Literaturkurs?

Nach dem schauspielerischen Grundkurs – spätestens nach den Herbstferien – geht es darum, das Gelernte kreativ in der Gestaltung eines Theaterstückes umzusetzen.
Das Theaterstück und Eckpfeiler des Inszenierungskonzeptes bilden den Rahmen, innerhalb dessen die SchülerInnen sich gestalterisch austoben können, müssen und sollen. Das geht in vielerlei Hinsicht und ist je nach Talent und Vorliebe weitgehend frei wählbar:
Neben der Tatsache, dass alle auf der Bühne spielen, müssen Texte umformuliert und neu geschrieben werden, das Bühnenbild muss erstellt werden, Kostüme müssen festgelegt und ggf. hergestellt werden, ein Plakat und ein Programmheft muss entworfen werden etc.
Die individuellen Fähigkeiten und Schwerpunkte der jeweiligen Gruppe (z.B. Tanz, Technik, Fremdsprachen, Nähen…) nehmen großen Einfluss auf die Gestaltung und Entwicklung des Gesamtprojektes.
Die Anbindung an einen parallel zum Literaturkurs liegenden Kunstkurs ermöglicht zudem fach-und tatkräftige Unterstützung beim Bühnenbild.

Wenn ich keine Hauptrolle spiele – stehe ich dann nicht nur rum ohne etwas zu tun zu haben?

Ungewöhnliche Inszenierungskonzepte (z.B. Mehrfachbesetzungen oder Parallelbühnen) ermöglichen rein praktisch betrachtet, dass die meiste Zeit sehr viele Schauspieler auf der Bühne stehen, so dass jeder immer etwas zu tun hat. Inszenatorisch bedeutet es, dass wir im Schülertheater Gestaltungsräume nutzen können, die im traditionellen Theater schon allein aus Kostengründen nicht genutzt werden (Wo sieht man schon mal ein Theaterstück, bei dem über 30 Schauspieler gleichzeitig aktiv sind?).
Außerdem ermöglichen die vielfältigen Aufgaben, die im gesamten Verlauf der Arbeit entstehen, den individuellen Einsatz jedes Einzelnen. Permanent gibt es freiwillige Zusatzaufgaben, bei denen man sich kreativ verwirklichen kann.

Was fordert Theaterarbeit von mir und was lerne ich dadurch?

Bei allen Möglichkeiten, die die Theaterarbeit gibt, bedeutet diese auch, dass man an seine persönlichen Grenzen kommt. Man steht auf der Bühne, zunächst vor den Teilnehmern des Kurses und schließlich vor der gesamten Schulgemeinde. Dabei soll man ganz authentisch eine Rolle darstellen und diese mit all den ihr zugehörigen Gefühlen und Charakterzügen, die möglicherweise gar nicht den eigenen entsprechen.
Hier besteht die ganz persönliche Wachstumschance durch das Fach und die einhellige Meinung des Literaturkurs aus dem Schuljahr 2010/2011 ist: “Wir sind deutlich selbstbewusster geworden.”
Im Einzelnen bedeutet das folgendes: man lernt kreative Räume zu nutzen, unkonventionelle Lösungen zu finden und bisher ungedachte Wege zu gehen.
Man verbessert die Kompetenz zur Präsentation, lernt sich selber besser kennen, entdeckt bislang unbekannte Facetten von sich selbst und wird mutiger sich zu zeigen und auszuprobieren.
Das so Gelernte entfaltet folgende Wirkung:
  1. Ich erlange mehr Selbstbewusstsein (Ich stehe zu mir).
  2. Ich erlebe Selbswirksamkeit (Ich kann durch meine Fähigkeiten etwas bewirken).
  3. Als sekundärer Zugewinn, sozusagen als Lernabfall, werden zudem “weiche Fähigkeiten” (in der Berufswelt “soft skills” genannt) geschult. Hier geht es im Gegensatz zu fachlichen Kompetenzen um Kompetenzen, die das Miteinander betreffen (Kommunikation, Konfliktbewältigung, Führen, Teamfähigkeit, Change Management, d.h. Umgang mit sich stark verändernden Situationen etc.). Gerade diese Fähigkeiten, die die Wirkung im sozialen Raum betreffen, werden in der Berufswelt gebraucht.

Die einhellige Meinung der Teilnehmer des Literatur-Kurses 2011/12: “Vorher waren wir alles Einzelpersonen und Kleingruppen. Jetzt sind wir zu einer großen Gruppe zusammen geschmolzen.”

Übrigens: Für Götz Werner, den Leiter der dm-Kette, sind aus oben genannten Gründen Theaterworkshops verpflichtender Teil der Schulung seiner Auszubildenden.

Wie viel Arbeitsaufwand erfordert das Fach im Vergleich zu Kunst oder Musik?

Manchmal schrecken SchülerInnen vor der Anwahl des Faches zurück, da die Sorge besteht, dass man viel mehr Zeitaufwand in das Fach stecken muss, als es die Fächer Kunst oder Musik erfordern.
Dies stimmt zum Teil. Der Arbeitsaufwand für das Fach ist weniger gleichmäßig verteilt als bei anderen Fächern. Zu Beginn des Kurses bis zu den Herbstferien ist das Arbeitsverhalten eher rezeptiv und die Anforderung besteht vor allem darin, sich auf die neuen Übungen des Schauspiels einzulassen. Je näher die Aufführung rückt, desto notwendiger werden zusätzliche Arbeiten, vor allem zusätzliche Proben und das Lernen der eigenen Rolle(n). Für die Zusatzproben gibt es Projekttage, die vom Umfang her einen Schultag umfassen. Die Tage werden vorzugsweise auf Methodentage und ähnliche Tage gelegt. Bei frühzeitiger Planung, frühzeitigem Besorgen von Requisiten, regelmäßigem Lernen von Text etc. hält sich der sonstige Arbeitsaufwand in Grenzen. Wer die Tendenz hat alles auf den letzten Drücker zu machen, wird jedoch kurz vor der Aufführung eine deutliche Arbeitsbelastung spüren.
Die Aufführung selber liegt ca. 6-8 Wochen vor den Sommerferien. Die bei der Aufführung und an Probentagen geleistete Mehrarbeit kann so durch vorzeitiges Beenden des Kurses abgegolten werden.
Das Ausfüllen von Selbsteinschätzungsbögen am Ende eines jeden Quartals ermöglicht das Abgleichen von Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung durch die Lehrerin.

Kann es auch andere Inhalte als Theater im Literaturkurs geben?

Lag der inhaltliche Schwerpunkt des Literaturkurses bisher auf dem Bereich “Theater”, so ist angedacht dies in den folgenden Jahren durch den Baustein “Film” zu ergänzen oder sogar zu verknüpfen.
Da an der Gesamtschule Waldbröl zwei Kolleginnen im Team arbeiten, sind die Voraussetzungen dazu ideal. Eine parallele Umsetzung des gleichen Stoffes in Film und Theater ist dabei genauso denkbar wie eine Koppelung beider Darstellungsformen zu einem Projekt: “Film im Theater”.

Zusammenfassung:

Das Fach Literatur stellt hohe Anforderungen an Lehrer und Schüler und bietet dafür den Raum für die Entfaltung individueller kreativer Fähigkeiten und Talente. Es handelt sich um ein Fach, das man ohne jegliche Vorkenntnisse belegen kann und bei dem man mit weit mehr als der Note und dem Applaus der Abschlusspräsentation belohnt wird.

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